Tim Bendzko

Geschichten für die Ewigkeit

Manchmal muss man warten können. Sich durch nichts vom Weg abbringen lassen. Das Ziel immer fest vor Augen. Tim Bendzko, der sein Debüt „Wenn Worte meine Sprache wären“ eindrucksvoll nicht nur auf den Tisch gelegt, sondern geradezu krachend auf den Tisch geknallt hat.

Nicht, weil die Musik laut ist. Eher im Gegenteil. Auch nicht, weil die Texte lärmend sind. Eher die Antithese. Doch Gegenteil und Antithese in ihrer Kombination sind so stark und unwiderstehlich, dass es richtig kracht.

Der gerade Weg ist eine unebene Straße

Tim BendzkoAlexander Gnädinger

Der sympathische Lockenkopf Tim Bendzko ist waschechter Berliner. Was ja schon mal mehr als erwähnenswert ist. Von Kindesbeinen an schwebt über Tim Bendzko immer so etwas wie ein wegweisender Stern. Ansonsten hat er mit Vielem nichts am Hut, das in einer Musikerbiografie sonst zu lesen ist. Er hat als Kind nie eine Gitarre unterm Weihnachtsbaum vorgefunden. Er hat sich gar keine gewünscht. War als Jugendlicher nie Verehrer eines Idols. In einer Schülerband hat Tim Bendzko auch nicht gespielt. Auch kaum Musik gemacht, abgesehen von Schulfesten, Geburtstagen und Weihnachtsfeiern. Dafür hat Tim Bendzko unablässig Musik gedacht und so mit seinem Stern korrespondiert. In Zappas berühmter Pose sitzt er im Bad und sinniert: „Mensch, was mache ich mit meinem Leben? Auf jeden Fall etwas, was mir Spaß macht. Etwas das mich erfüllt und etwas, was ich richtig gut kann.“ Dieses Gedankenspiel lässt ihn nicht mehr los. Dann blitzt es durch seinen Geist. Schlagartig herrscht Klarheit in seinem Kopf: „Singen und Songs schreiben. Aber nicht so nebenher. Das kann nur groß werden, weil es groß werden muss. Und weil ich es weiß.“ Der Stern aber sagt ihm auch, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist. Als Frank Zappa sein bekanntes Foto schießen lässt, ist er 27 Jahre alt. Als Tim Bendzko ganz unbewusst diese Denkerpose wählt, ist er gerade mal elf.

Der Ball ist rund - eine CD auch

Tim BenzkoAlexander Gnädinger

Um sich die Zeit zu vertreiben, nimmt es Tim Bendzko sportlich. Und spielt Fußball. Schließlich ist nicht nur eine CD rund. Was er macht, das macht er richtig. Also ist es keine Frage, dass sein Dasein beim 1. FC Union Berlin mit Sportgymnasium und allem, was dazugehört, gespickt ist. Was nie vergeht, sind die tanzenden Töne in seinem Hirn. Unablässig klingen sie. Werden stärker. Schieben sich vor den Ball, „Mir wurde immer klarer, dass das Fußballspielen nichts für mich ist und dass ich dringend Musik machen muss“, bekräftigt er, „und ich war mir sicher, dass das dann alle ganz toll finden werden. Deshalb habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. Irgendwie musste ich die Lieder ja schreiben.“ Gesagt, getan. Doch der Unterricht ist nur Mittel zum Zweck. „Ich wollte die Grundlagen können, ich brauchte Akkorde, um an meinen Liedern arbeiten zu können“, erklärt er sein eher kurzes Gastspiel als Schüler. Als die ersten Stücke aus ihm herauspurzeln, sind sie gehaltvoll und fast weise. „Die Lieder waren gar nicht so schlecht, doch so ausdrucksstark, dass sie nicht wirklich zu einem Sechzehnjährigen passen, man hätte sie mir einfach nicht abgenommen, aber das bedeutet nur, meine Zeit ist immer noch nicht gekommen. Mehr nicht.“

Der Geist ist voller Unordnung

Das musikalische Ziel fest im Blick und die Denkwindungen voller Wort- und Notenfetzen, ist Tim Bendzkos Geist in Unordnung. Das soll ein Studium ändern, Ein System muss her, mit dem sich alles erklären lässt und das seine Gedanken ordnet. Vielleicht sogar sein Leben. Tim Bendzko studiert evangelische Theologie und nicht christliche Religionen. Theologie? „Eigentlich war das mehr ein Philosophiestudium. Ich wollte irgendetwas finden, womit ich die Unordnung in meinem Kopf bekämpfen konnte. Um Gott oder um Religion ging es dabei zu keiner Zeit“, stellt er klar, „ich wollte damit nichts machen. Es ging auch hier letztendlich um nichts als um Musik.“ Wieder entstehen Stücke. Und Tim Bendzko testet die Lieder erstmals live. Dabei trägt er Kopf und Seele gleichzeitig auf der Zunge. Und beides lässt er dort zergehen. Obwohl der Publikumszuspruch bereits immens ist, sieht Tim Bendzko noch Potenzial nach oben und entscheidet erneut: „Es war noch zu früh, um mit den Stücken groß anzutreten, ich wartete ganz bewusst. Ganz automatisch werde ich den richtigen Moment erkennen.“ Doch das wilde Tier Gesang ist nicht weiter gezogen, es schläft nur. Aber nur kurzzeitig. So schreibt Tim Bendzko weiter Lieder. Sporadisch zwar. So zwischendurch. Seine Texte aber rücken dem Leben mehr und mehr auf die Pelle. Seine Musik verwandelt sich in eine Melange aus Melancholie und träumerischer Romantik, gesungen mit einer soulig umhüllten und jazzig angehauchten Stimme, die ihresgleichen sucht.

Wenn Worte meine Sprache wären

Tim BendzkoAlexander Gnädinger

Wenn Worte meine Sprache wären

Aus eher sportlichen Gründen stellt er sich einem Wettbewerb. „Ich habe daran teilgenommen, weil ich das Ding gewinnen wollte, nicht um durch den Wettbewerb irgendetwas zu gewinnen“ lacht er. Tim Bendzko hat gut lachen. Er gewinnt ein Supportkonzert auf der Berliner Waldbühne. Als es im Juli 2009 so weit ist geht er unaufgeregt raus, stellt sich vor fast 20.000 Zuschauer und singt. Und er weiß, dass es gut ist. Er hat immer gewusst, dass seine Zeit kommt. Er ist angekommen. Folgerichtig hängt er seinen Job als Auktionator an den Nagel. Die Zeit ist reif. Reif für seine Stücke. Reif für sein musikalisches Coming-out. Und reif für einen Plattenvertrag, der nicht lange auf sich warten lässt.

Wenn die Metapher der Künstlerkollegen von Wir sind Helden, „gekommen, um zu bleiben“ auf jemanden zutrifft, dann auf Tim Bendzko. Er ist zur richtigen Zeit mit den richtigen Liedern am richtigen Ort. So verwundert es überhaupt nicht, dass sein Debüt „Wenn Worte meine Sprache wären“ ohne Umwege in die Top Ten der deutschen Albumcharts schoss und Gold ging, seine erste Single „Nur noch kurz die Welt retten“ nach wie vor in den Top Ten steht und mittlerweile mit Platin ausgezeichnet wurde und der erste Teil seiner Tournee seit Wochen ausverkauft ist. Tim Bendzko hat alles richtig gemacht, das Warten hat sich offensichtlich gelohnt: Beim Bundesvision Song Contest Ende September wurde er mit großem Abstand auf Platz 1 gevotet und katapultierte seine aktuelle Single „Wenn Worte meine Sprache wären“ mit einem selbstbewussten Auftritt wiederum souverän in die Liste der besten Zehn bei Media Control. Alle Welt will Tim Bendzko. Gut, dass er 2012 noch einmal ausgedehnt auf Tour geht, denn die Nachfrage ist jetzt schon riesig - und wenn bekannt wird, dass es noch kein Newcomer vor ihm geschafft hat, ein Debüt-Album und die ersten beiden Singles gleichzeitig in den Top Ten der Charts zu halten, dann sind die Karten sicher schnell wieder vergriffen.

Tim Bendzko und seine Musik erzeugen eben eine besondere Sogwirkung. Man will mehr. Viel mehr.

CD-Vorstellung
Tim Bendzko: Wenn Worte meine Spreche wären
VÖ-Datum: 17.06.2011
Direkt kaufen bei:

Sony Music

Fotos: Alexander Gnädinger

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